Glossar

Albe

(lat.: weiß) Das hemdartige und knöchellange liturgische Untergewand hatte sich aus der römischen Tunika entwickelt. Ursprünglich aus weißem Leinen, dem Sinnbild der Reinheit, sollte die Albe an das Taufkleid und die weißen Gewänder der Johannisoffenbarung erinnern. Alle Personen, die liturgischen Dienst am Altar versahen, sollten entweder eine Albe oder ein davon abgeleitetes Gewand tragen.

Anniversarium

Jahresgedächtnis.

Epitaph

(griech.: auf dem Grab) Epitaphien gibt es einmal als Tafeln mit zeilenweise ausgeführter Inschrift, zum anderen meist als figürliche, zur senkrechten Aufstellung konzipierte Denkmäler. Sie wurden zusätzlich zu der das Grab deckenden Grabplatte angefertigt und meist in der Nähe des Grabes an der Wand angebracht.

Gotische Majuskel

Mischmajuskel in Fortführung der romanischen Majuskel, – mit zunehmendem Anteil an runden Formen. Typisch sind keilförmig verbreiterte Schaft- und Balkenenden, Bogenschwellungen, eine gesteigerte, einheitlichen Prinzipien folgende Flächigkeit sowie Vergrößerung der Sporen an Schaft-, Balken- und Bogenenden, die zu einem völligen Abschluss des Buchstabens führen. Der Abschluss wird schließlich durch einen sogenannten Abschlussstrich erreicht, der nicht zum Wesen des jeweiligen Buchstabens gehört.

Gotische Minuskel

Entspricht in ihrem Idealtypus der in Kleinbuchstaben ausgeführten Textura der Buchschrift. Kennzeichen ist die Brechung der Schäfte und Bögen: Im Mittellängenbereich stehende Schäfte werden an der Oberlinie des Mittellängenbereichs (nach links) und an der Grundlinie (nach rechts) gebrochen. Im Ober- und Unterlängenbereich werden Schäfte in der Regel nicht gebrochen. Bögen werden durch Brechungen und Abknicken in senkrechte und in der Regel linksschräge Bestandteile umgeformt. Entsprechend der voll ausgebildeten Textura der Buchschrift kann die gotische Minuskel gitterartig ausgeführt sein.

Grabplatte

Meist hochrechteckige Platte mit einer Umschrift zwischen (Ritz-)Linien, später auch mit auf Tafeln stehenden Inschriften. Sie diente, plan auf dem Boden liegend, zur Abdeckung und Kennzeichnung der in der Regel individuellen Begräbnisstätte.

Kapitalis

Monumentalschrift der Antike, deren Buchstaben meist wie mit dem Lineal und Zirkel konstruiert sind und in der Regel deutliche Unterschiede zwischen Haar- und Schattenstrichen, Linksschrägenverstärkung, Bogenverstärkungen sowie ausgeprägte Serifen besitzen. Die Kapitalis bleibt – in mehr oder weniger geschickter Umsetzung – die epigraphische Schrift der Spätantike und des Frühmittelalters, während die kapitalen Varianten danach teilweise mit unzialen durchmischt werden (Majuskel). Die klassischen Kapitalisformen und ihre charakteristischen Merkmale werden kurzzeitig in der karolinigischen Zeit und dann erst wieder in der Renaissance aufgegriffen. Diese jüngeren Kapitalisschriften des 15. bis 17. Jahrhunderts weisen nur in seltenen Fällen die strengen Konstruktionsprinzipien der antiken Kapitalis auf. Sie kommen in vielfältigen Erscheinungsformen vor, z. B. mit schmalen hohen Buchstaben oder als schrägliegende Schriften.

Liber Vitae

Dienten der Gebetsverbrüderung. Bücher des Lebens deshalb, weil die verzeichneten Verstorbenen für ihre Seelheil Vorsorge getroffen haben und daher auch auf ein ewiges Leben hoffen können.

Manipel

Ursprünglich ein streifenförmig zusammengefaltetes Tuch, war er spätestens ab dem 11. Jahrhundert ein Rangabzeichen höherer Kleriker (Subdiakon, Diakon, Priester, Bischof). Es wurde zunächst in der Hand gehalten und später über den linken Arm gelegt. Der Manipel wurde ab der Diakonsweihe getragen; mindestens diesen Weihegrad mussten alle Stiftskleriker erwerben.

Nekrolog (Totenbuch)

Nekrologien bzw. Totenbücher sind kalendarisch angelegte Totenverzeichnisse, in denen Namen von Verstorbenen zu ihrem jeweiligen Todestag zum Zwecke des Gebetsgedenkens eingetragen sind. Das älteste Mainzer Nekrolog stammt aus der Zeit um 1000. Es handelt sich vor allem um Personen, die zum unmittelbaren Wirkungskreis des Domes gehörten. Schon in der Frühzeit finden sich neben dem bloßen Namen auch Hinweise auf getätigte Stiftungen, später dann vermehrt auch Anweisungen zur Umsetzung des Totengedenkens.

Romanische Majuskel

Mischmajuskel mit eckigen und runden Buchstabenformen. Ausgangspunkt ist ein Alphabet aus kapitalen Buchstaben, das vor allem durch runde (unziale und andere), aber auch eckige Sonderformen (z.B. eckige C und G) bereichert wird. In der Frühzeit der romanischen Majuskel kommen als gestalterische Mittel zudem Buchstabenverbindungen (Nexus Literaum, Ligaturen,  Enklaven, Verschränkungen) hinzu. So entsteht eine oft sehr variantenreiche und durch Buchstabenzusammenfügungen komplexe Schrift aus vermischten Majuskelformen. Im Lauf der Zeit nimmt der Anteil der runden Varianten zu.

Nachweise

Verfasser: Dr. Susannen Kern, Christian König

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Elmar Rettinger

Erstellt: 8.10.2012

Zuletzt geändert: 9.10.2012