Baugeschichte

St. Stephan wird 992 erstmals erwähnt. Wie die Kirche ursprünglich ausgesehen hat, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Sehr wahrscheinlich aber handelte es sich um eine typische frühromanische Anlage mit einem dreischiffigen Langhaus, zwei Chören und zwei Querschiffen. 

Von etwa 1275 an wurde der inzwischen stark einsturzgefährdete romanische durch den heutigen Bau in Form einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche mit zwei Chören, einem Querhaus sowie einem Turm über dem Mittelschiffjoch ersetzt.

In seiner wechselvollen Geschichte wurde St. Stephan wiederholt teils schwer beschädigt, etwa 1857 bei der Explosion des nahegelegenen Pulverturms und noch weit stärker infolge der alliierten Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs. Bereits unmittelbar nach Kriegsende wurde mit dem schrittweisen Wiederaufbau begonnen, der nach der  (weitgehenden) Wiederherstellung von Kirche (1945/46-1961) und Kreuzgang (1968-1971) sowie nach der Installation eines neuen Geläuts (2010) streng genommen erst 2013 mit der Weihe einer neuen Orgel zum Abschluss gekommen ist. International bekannt ist St. Stephan heute für seine von Marc Chagall geschaffenen Kirchenfenster.

0.1.Die erste Kirche (ca. 990 - um 1275)

992 wird St. Stephan in einer Schenkungsurkunde König Ottos III. erstmals erwähnt. Dieser lässt sich entnehmen, dass die Kirche kurz zuvor erbaut und geweiht worden ist. [siehe oben] Dass die Arbeiten zum Zeitpunkt der Weihe bereits vollständig abgeschlossen waren, gilt als unwahrscheinlich. [Anm. 1] Ebenfalls nicht sicher beantworten lässt sich die Frage nach dem ursprünglichen Aussehen der Stephanskirche. Vermutlich handelte es sich um eine frühromanische Anlage mit einem dreischiffigen Querhaus, zwei Chören und zwei Querschiffen, deren Formensprache sowohl Merkmale aus Willigis' sächsischer Heimat als auch der am Rhein vorherrschenden antikisierenden karolingischen Überlieferung aufgegriffen hat. [Anm. 2]

Schon ausgangs des 11., verstärkt aber während des 12. erwies sich die Bausubstanz der Kirche als zunehmend marode: 1171 etwa stellte der Vater des damaligen Propstes Friedrich, Landgraf Ludwig II. von Thüringen, die notwendigen Mittel zur Verfügung, um die Wiederherstellung der teilverfallenen Stiftsgebäude zu ermöglichen. Auch in der Folgezeit bestand offenkundig ein andauerndes Sanierungsbedürfnis, dessen Kosten nicht mehr allein aus den hierfür vorgesehenen Einkünften bestritten werden konnten und 1236 dadurch aufgefangen werden mussten, dass freiwerdende Pfründen zwei Jahre lang unbesetzt blieben und die mit ihnen verbundenen Erträge zur Finanzierung notwendiger Baumaßnahmen verwendet wurden.

Alle Bemühungen blieben langfristig ohne Erfolg: 1257 war die Stephanskirche teils beschädigt, teils einsturzgefährdet und teilweise auch bereits eingestürzt, sodass man einen Neubau ins Auge fassen musste.

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0.2.Der Neubau ab ca. 1275 bis zur Fertigstellung des Kreuzgangs 1499

Auffindung gotischer Altar[Bild: GDKE/Arens]

Um 1275 wurde mit dem Bau der heutigen gotischen Hallenkirche begonnen. [Anm. 3] Ostchor und östliches Querhaus wurden noch vor 1300 errichtet, eine wenigstens teilweise Fertigstellung von Langhaus und Westvierung erfolgte unter Erzbischof Peter von Aspelt (1306-1320), in dessen Pontifikat sich insgesamt eine rege Bautätigkeit in St. Stephan beobachten lässt, die ausweislich der Quellen unter anderem durch Ablassbriefe, aber auch mittels Spenden finanziert worden ist.

Nach 1320 wurden der Westchor und der Turm bis zur Höhe des Spitzbogenfrieses errichtet, 1338 schließlich mehrere Altäre geweiht. Hiermit, diese Vermutung liegt zumindest nahe, scheinen die Arbeiten zu einem vorläufigen Abschluss gekommen zu sein.

Archäologische Befunde lassen Rückschlüsse auf die Architekturfarbigkeit des gotischen Kirchenbaus zu: Wand- und Gewölbeflächen waren in gebrochenem Weiß gehalten, Pfeiler, Dienste, Maßwerk und Gewölberippen in leicht differenzierten Rottönen, ebenso (und mit grauweißen Fugen versehen) auch die Fensterlaibungen - die heutige Farbgebung berücksichtigt diese Erkenntnisse bewusst. [Anm. 4]

Im 15. Jahrhundert veränderte sich das Aussehen der Stephanskirche erneut. An ihrer Westseite wurde eine Sakristei angebaut, auf dem nördlichen Vorplatz 1414 ein Friedhof angelegt, zu dem auch ein Beinhaus und eine Michaelskapelle gehören. [Anm. 5] 1495 wurden die spätgotischen Turmgeschosse fertiggestellt, Mittelschiff und Altarraum waren schon seit 1478 durch eine Lettneranlage getrennt.

Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet, wurde der 1499 vollendete Kreuzgang. [Anm. 6] Er gilt heute als das bedeutendste spätgotische Bauwerk in Mainz [Anm. 7]

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0.3.Die Zeit ab 1500 und die Barockisierung im 18. Jahrhundert

Stadtansicht Merian 1633[Bild: GDKE]
Innenraum St. Stephan 1818[Bild: GDKE]

Am 15. August 1542 wurden der hölzerne Turmhelm und der Glockenstuhl der Stephanskirche durch ein Feuer zerstört, das von einem Blitzschlag entfacht worden war. [Anm. 8] Die hierdurch notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen erfolgten im Stile der Renaissance und wurden 1545 abgeschlossen. Die Turmkrönung bestand fortan „aus einem niedrigen, hinter durchbrochener Turmbrüstung zurückspringendem Geschoß mit welscher Haube und Laterne, das eine Türmerwohnung enthielt.“ [Anm. 9] 1740 wurde dieses „Turmwächtergeschoß (…) mitsamt der welschen Haube und Laterne in barocken Formen erneuert und (…) erweitert.“ [Anm. 10]

Auch das Kircheninnere erfuhr eine Barockisierung. Die spätgotische Lettneranlage wurde 1694 teilweise, 1715 dann vollständig beseitigt.[Anm. 11] 1749 wurde die Raumfassung farblich verändert. Sie war nunmehr in Weiß gehalten, die Architekturglieder waren in Gold betont.

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0.4.Das 19. Jahrhundert – Pulverturmexplosion und Wiederherstellung

Nordansicht St. Stephan 1802[Bild: GDKE]
Stephanskirche 19. Jh.[Bild: GDKE]
Südansicht St. Stephan 1832[Bild: GDKE]

1813 wurde auf der Turmlaterne der Stephanskirche ein Telegrafenmast angebracht. Schon 1823 wurde dieser wieder entfernt, die Turmspitze erhielt wieder ihr ursprüngliches Aussehen, wobei Kreuz und Wetterfahne nunmehr vergoldet waren. [Anm. 12]

Als am 18.11.1857 der sog. „Pulverturm“, ein Turm der ehemaligen Stadtbefestigung, in dem die in Mainz stationierten Truppen ihr Pulver lagerten, explodierte, wurde auch St. Stephan schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das vollständige Ausmaß der Schäden lässt sich nicht mehr ermitteln, doch vermitteln die Erinnerungen eines Augenzeugen ein ungefähres Bild: „Die Dächer und Fenster waren alle zerstört, die Mauern zerschlagen, die Orgel zertrümmert, das ganze Gebäude lag voll Glas und Schutt u.s.w. Die Entschädigungssumme von 23.000 fl. reichte kaum hin, das Nothwendigste herzustellen. […] Schon die Dachbedeckung verzehrte beinahe jene Summe.“[Anm. 13]

Im Rahmen der notwendig gewordenen Sanierungsarbeiten wurde die Kirche neu gestaltet, numehr im neugotischen Stil, wobei auch die erhalten gebliebenen Elemente ihrer barocken Einrichtung auf Betreiben des damaligen Pfarrers Johann Peter Merz und seines Architekten Franz Xaver Geier vollständig entfernt wurden. [Anm. 14] Die barocke Kanzel befindet sich heute in Bodenheim. [Anm. 15]

Kreuzgang Stephanskirche 1903[Bild: GDKE]
Kreuzgang St. Stephan 1910[Bild: GDKE]

Bereits am 14.08.1859 konnte Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler die Altarweihe in der wieder instandgesetzten Kirche vollziehen. [Anm. 16] Welcher Anblick sich dem Besucher bot, wenn er St. Stephan betrat, ist in einer Festschrift von 1866 festgehalten: „Die natürliche rothviolette Steinfarbe der Pfeiler mit vergoldeten Kapitälern auf braunrothem Grunde stimmt in guter Harmonie mit dem lichten Sternenhimmel auf blauem Grunde in den Gewölbefeldern. Die Gewölberippen steinfarbig mit Goldlinien heben das Ganze und machen hier Ornamente und Malerei überflüssig. Die Mauerflächen haben einen hellen, graugrünen und einfarbigen Steinton, der einen ruhigen Gegensatz mit der Steinfarbe der Pfeiler und Gurten wie mit der Farbengluth der bunten Gläser bildet, mit welchen alle Fenster in Teppichmustern ausgefüllt sind. Die Fenster haben einen verschiedenen Ton […]. Die Fenster des Querschiffes und Langhauses haben lebhaften und frischen Ausdruck; die im Chor sind fein, mit etwas schwacher Färbung, aber von strenger Zeichnung. Auch sind sie von verschiedener Größe und Breite […]. Die Eintheilungen und Füllungen (Maßwerke) sind nicht dieselben, auch nicht manchfaltig oder sehr verschieden. Malerische Wirkung machen die Altäre mit ihrem gothischen Schmucke.“ [Anm. 17] An gleicher Stelle wird deutlich, dass vor allem die ungewohnte „Leerheit der Wände“ nicht auf allseitige Begeisterung gestoßen ist. „Nur ein Crucifix im südlichen Schiff und ein paar Inschriften, weil diese in die Mauer eingelassen waren“, waren nicht entfernt worden und manche wünschten sich, man hätte einige „Bilder, Statuen und Denkmäler aus der früheren Zeit beibehalten.“ [Anm. 18]

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es noch zu weiteren Veränderungen sowohl im Innern als auch außerhalb der Kirche. 1860 etwa wurde der schon in französischer Zeit stillgelegte Friedhof auf der nördlichen Kirchenseite planiert, 1866 eine Gasbeleuchtung installiert und ein neuer Taufstein errichtet. [Anm. 19]

1911 wurde der Kreuzgang erneut restauriert. Im Zuge der Arbeiten, die vor allem einer Sicherung der Gewölbe dienten, wurden auch die vormals liegenden Grabplatten an den Wänden aufgestellt. [Anm. 20]

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0.5.Das 20. Jahrhundert – die Zerstörungen des 2. Weltkrieges

Ostansicht St. Stephan 1930er Jahre[Bild: GDKE]
Brand St. Stephan 12./13. August 1942[Bild: Stadtarchiv Mainz]
Nordflügel Kreuzgang St. Stephan 1945[Bild: GDKE]

Beim ersten größeren Luftangriff auf Mainz in der Nacht des 12. August 1942 gegen ca. 23.30 Uhr blieb St. Stephan noch von direkten Treffern verschont. Am 13. August kam es wetterbedingt allerdings zu einem verstärkten Funkenflug, in dessen Folge der Brand, der im benachbarten Schottenhof ausgebrochen war, auch auf die Kirche übergriff. Wind und fehlendes Löschwasser begünstigten eine rasche Ausbreitung des Feuers, das mehrere Tage lang wütete und die Kirchendächer schwer in Mitleidenschaft zog. Auch der Turm brannte vollständig aus, und als nach Tagen schließlich der Glockenstuhl einstürzte, durchschlugen zwei Glocken zunächst die noch brennende Decke und das Kirchengewölbe, ehe sie auf dem Boden zerschellten. [Anm. 21] Reste dieser zerstörten Glocken befinden sich heute im Kreuzgang.

Unmittelbar nach dem zweiten größeren Fliegerangriff vom 21.09.1944 begannen Pfarrangehörige mit provisorischen Instandsetzungsarbeiten, in deren Verlauf die Kirche ein vorläufiges Notdach erhielt. Am 25.02.1945 waren die Arbeit soweit vorangeschritten, dass wieder Gottesdienste stattfinden konnten. [Anm. 22]

Nur zwei Tage später, am 27.02.1945, war Mainz erneut das Ziel alliierter Bomber. St. Stephan wurde während des Angriffs, bei dem die Stadt fast völlig zerstört wurde, von Brand- und Sprengbomben getroffen. Die Kirche brannte völlig aus, einige Gewölbefelder des Langhauses stürzten ein und während die Gewölbe des Querhauses erhalten blieben, wurde der Ostchor schwer beschädigt. Noch schlimmer traf es den Turm. Der südöstliche Vierungspfeiler verschob sich um 16 cm nach außen, der Scheitel des östlichen Gurtbogens der Vierung senkte sich, während die drei anderen Gurtbögen in der Höhe unverändert blieben. Die Folge war ein „senkrecht verlaufender Reißverschlussriss in der Nordwand [...] mit 32,5 cm Rissbreite am oberen Rand, nach unten auslaufend auf null“, es bestand Einsturzgefahr. [Anm. 23] Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde zudem der Kreuzgang, dessen Gewölbe barsten und teilweise einstürzten, und auch der Dachstock des Pfarrhauses und das Küsterhaus wurden ein Raub der Flammen. [Anm. 24]

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0.6.Die Zeit nach 1945 – der Wiederaufbau bis Anfang der 1970er Jahre

Innenraum St. Stephan vor 1938[Bild: GDKE]
Innenraum St. Stephan nach 1945[Bild: GDKE]
Innenraum St. Stephan 1950[Bild: GDKE]
Innenraum St. Stephan 1960[Bild: GDKE]

Bereits kurz nach Kriegsende wurde der Wiederaufbau in Angriff genommen, der in den ersten Nachkriegsjahren vor allem durch Materialmangel erschwert wurde und mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden war. [Anm. 25]

Als große technische Herausforderung erwies sich die Rettung des einsturzgefährdeten Kirchturms, der so schwer beschädigt war, dass ein Gutachten der TH Darmstadt 1946 eine Sprengung „als einzige Möglichkeit zur Gefahrenabwendung“ empfohlen hatte.[Anm. 26] Im Ergebnis einer kontrovers geführten Debatte wurde diese Option verworfen und, nachdem die französische Besatzungsmacht das nötige Baumaterial freigegeben hatte, im Juli 1946 zunächst ein Notpfeiler aus Stampfbeton errichtet, mit dem der Turm gestützt und die akute Einsturzgefahr abgewendet werden konnte.[Anm. 27] Zwischen dem 21.01. und dem 27.02.1947 wurde  der Riss in der Turmwand mittels hydraulischer Öldruckpressen geschlossen. Insgesamt erstreckten sich die Sanierungsarbeiten, während derer auch technisch anspruchsvolle Anhebung des Turms erforderlich werden sollte, über annähernd fünfzehn Jahre. Im Herbst 1961 erhielt er als ein Geschenk der Stadt Mainz wieder seine traditionelle Kuppel, und am 20.01.1962 waren schließlich auch die letzten Dachdeckerarbeiten abgeschlossen. [Anm. 28]

Nicht minder schrittweise gestalteten sie auch die übrigen Wiederaufbaumaßnahmen. Anfangs wurde das im Krieg weniger schwer getroffene Querschiff zum Langhaus hin mit einer Mauer abgegrenzt und als Notkirche instandgesetzt, die ab Weihnachten 1947 genutzt werden konnte. [Anm. 29] 1948 erhielt der Ostchor ein neues Dach, Westchor und Langhaus folgten 1955. 1959 schließlich erhielt das Langhaus anstelle seiner kriegszerstörten mittelalterlichen Gewölbe seine heutige hölzerne Flachdecke, und nachdem auch die Behelfswand zwischen Ostchor und Kirchenschiff niedergelegt worden war, konnte am 27.09.1959 der erste Gottesdienst in der wiederaufgebauten Kirche gefeiert werden.[Anm. 30]

Der Kreuzgang, der in den Nachkriegsjahren nur notdürftig gesichert werden konnte[Anm. 31], wurde zwischen 1968 und 1971 wiederaufgebaut und umfassend saniert.[Anm. 32]

 

 

 

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0.7.Die Zeit nach 1970 – fortlaufende Sanierungen und Ergänzungen

Südansicht St. Stephan 2012[Bild: Elmar Rettinger/IGL]
Innenraum St. Stephan 2012[Bild: Elmar Rettinger/IGL]

Auch nach Abschluss des eigentlichen Wiederaufbaus wurden und werden in St. Stephan fortlaufend Sanierungsarbeiten durchgeführt. Herausragend in der jüngeren Baugeschichte ist der Einbau der weltbekannten Chagall-Fenster, der ab 1978 schrittweise erfolgte erfolgte und 2000 mit dem Einbau des letzten Fensters aus der Werkstatt von Charles Marq abgeschlossen wurde, die die Arbeiten nach Marc Chagalls Tod im Jahr 1985 fortgeführt hatte.

 

 

 

 

 

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0.8.Die Orgel

Spätestens ab 1500 gab es in St. Stephan einen Organisten.[Anm. 33] 1604 verfügte die Kirche über zwei Orgeln, von denen sich eine im Chor, die andere auf der Lettner-Galerie im Ostchor befunden hat.

Zwischen 1715 und 1723 wurde von Orgelbaumeister Johann Hoffmann aus Würzburg eine neue Orgel mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal eingebaut. 1857 infolge der Explosion des nahegelegenen Pulverturms zerstört, wurde sie 1858/59 durch eine zweimanualige Orgel mit 29 Registern aus der Werkstatt des Mainzer Orgelbaumeisters Bernhard Dreymann ersetzt, die sich ber angesichts der Größe der Stephanskirche bals als unzureichend erweisen sollte. Erst umfassende Veränderungen in Disposition und Technik, die 1874 durch den Würzburger Orgelbauer Martin Schlimbach vorgenommen wurden, verhalfen ihr zu volleren Klangfarben und mehr Lautstärke.

1910/11 wurde die Orgel durch die Firma Klais (Bonn) gereinigt und modernisiert, auch erhielt sie ein elektrisches Gebläse. Nachdem die alten Prospektpfeifen aus Zinn 1917 als Beitrag für die Kriegswirtschaft hatten abgegeben werden müssen, wurden 1921 neue Pfeifen eingebaut, die nun allerdings aus Zink gefertigt waren.

Alte Orgel St. Stephan[Bild: Elmar Rettinger/IGL]

1942 wurde die Orgel kriegszerstört und erst 1967 durch ein im nördlichen Querhaus aufgestelltes Provisorium mit 11 Registern aus der Werkstatt von Eberhard Friedrich Walcker/Ludwigsburg notdürftig ersetzt.

2012/2013 erhielt St. Stephan eine neue, den Dimensionen des Kirchenraumes angemessene dreimanualige Orgel mit 45 Registern, die am 01.03.2013 von Karl Kardinal Lehmann geweiht worden ist.

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0.9.Die Glocken

Zerstörte Glocke St. Stephan[Bild: Elmar Rettinger/IGL]
Neue Glocken St. Stephan [Bild: Elmar Rettinger/IGL]

Als der Glockenstuhl 1542 bei einem Brand zerstört wurde, ging das ursprüngliche Geläut der Stephanskirche verloren. 1544/45 erhielt die Kirche zwei neue Glocken, die 1617 und 1733 um je eine weitere ergänzt. Neben diesen waren 1866 noch zwei unbezeichnete Glocken vorhanden, von denen eine ihrem Aussehen nach so alt war, dass sie möglicherweise als einzige das Feuer von 1542 überstanden haben könnte. [Anm. 34] Hinzu kam eine Schlag- und Sturmglocke, die 1615 in der Turmlaterne aufgehängt worden war.

1942 wurden die alten Glocken beim Brand der Kirche zerstört. 1948 erhielt St. Stephan die Beatrix-Glocke der ebenfalls kriegszerstörten Kirche St. Emmeran als Ersatz.[Anm. 35] Ihr traten in jüngerer Zeit drei neue Glocken hinzu, deren Guss durch eine Spende der Firma Schott AG möglich geworden war. Sie wurden am 27. September 2008 von Karl Kardinal Lehmann geweiht und bilden gemeinsam mit der älteren Beatrix-Glocke das heutige vierstimmige Geläut der Stephanskirche, das am 27. Februar 2009 erstmals erklungen ist.

 

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0.10.Das heutige Geläut

Name Gussjahr Hersteller, Gussort Durchmesser (in mm) Gewicht (in kg) Nominal Besonderheit
Beatrix 1493 N. N., Speyer 1180 1100 fis1 ursprünglich Mainz, St.Emmeran, übernommen nach 2. WK
Stephanus 2008 Fa. A. Bachert, Karlsruhe 1450 1900 d1
Willigis 2008 Fa. A. Bachert, Karlsruhe 1280 1400 e1
Maria Magdalena 2008 Fa. A. Bachert, Karlsruhe 1080 800 g1

Nachweise

Quellen und Literatur:

  • Caspary, Kreuzgang
    Hans Caspary: Der Kreuzgang von St. Stephan. Eine kunstgeschichtliche Würdigung im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege (1967). In: Rettung des Kreuzgangs von St. Stephan. Hg. v. Katholischen Pfarramt St. Stephan, Mainz. o. O. u. J., S. 11-19.
  • Coester, Baugeschichte
    Ernst Coester: Die Baugeschichte und künstlerische Stellung der St. Stephanskirche. In: 1000 Jahre St. Stephan Mainz. Festschrift. Hg. v. Helmut Hinkel. Mainz 1990 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 63), S. 407-454.
  • Dumont, Rettung des Stephansturmes
    Franz Dumont: Die Rettung des Stephansturmes. In: Mainz. Die Geschichte der Stadt. Hg. v. Dems., Ferdinand Scherf u. Friedrich Schütz. Mainz 1998, S. 1171.
  • Glatz, Ausstattung
    Joachim Glatz: Die Ausstattung der Stephanskirche. In: 1000 Jahre St. Stephan Mainz. Festschrift. Hg. v. Helmut Hinkel. Mainz 1990 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 63), S. 455-479.
  • Kirsch, Kleine Geschichte von St. Stephan
    Siegfried Kirsch: Kleine Geschichte von St. Stephan. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte 29 (2009) H. 2, S. 47-53.
  • Klein, Kirche St. Stephan in Mainz
    Karl Klein: Die Kirche St. Stephan in Mainz. Mainz 1866.
  • Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht
    Norbert Mathein: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Kriegsschäden an St. Stephan – ein Augenzeugenbericht. In: Mainz. Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte 29 (2009) H. 1, S. 60-63.
  • Mathy, St. Stephan
    Helmut Mathy: Tausend Jahre St. Stephan in Mainz.
    Ein Kapitel deutscher Reichs- und Kirchengeschichte. Mit einem Anhang über die letzte Visitation des Stiftes 1780/1781. Mainz 1990 (= Aurea Moguntia 4).
  • Mayer, Kirchenfenster
    Klaus Mayer: Die Kirchenfenster zu St. Stephan in Mainz. In: 1000 Jahre St. Stephan Mainz. Festschrift. Hg. v. Helmut Hinkel. Mainz 1990 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 63), S. 481-488.
  • Mayer, Aus Ruinen erstanden
    Klaus Mayer: Aus Ruinen erstanden. St. Stephan in Mainz 1945-1989. In: 1000 Jahre St. Stephan Mainz. Festschrift. Hg. v. Helmut Hinkel. Mainz 1990 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 63), S. 389-402.
  • Wittelsberger, Orgelgeschichte
    Manfred Wittelsberger: Kurze Orgelgeschichte von St. Stephan Mainz, elektronische Ressource online.

 

Verfasser: Christian König M.A.

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Elmar Rettinger

Erstellt: 19.10.2012

Zuletzt geändert: 19.04.2013

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Anmerkungen:

  1. Folgt man Quellen aus späterer Zeit, so waren die Arbeiten beim Tod des Stiftsgründers Willigis (1011) und selbst 1099 noch nicht abgeschlossen, s. hierzu weiterführend Coester, Baugeschichte, S. 407f. unter Hinzuziehung der ebd., S. 408 Anm. 4 verzeichneten älteren Literatur.  Zurück
  2. Auf Letzteres weisen wenige Relikte kleinerer Säulen und Kapitelle, s. hierzu, zum Vorangehenden und ebenso zum Folgenden weiterführend Coester, Baugeschichte, S. 411-415.  Zurück
  3. Jahresangaben soweit nicht anders erwähnt auch im Folgenden auf Basis von Coester, Baugeschichte, passim.  Zurück
  4. Glatz, Ausstattung, S. 456.  Zurück
  5. Kirsch, Kleine Geschichte von St. Stephan, S. 51.  Zurück
  6. Grundlage für die Datierung ist ein entsprechend bezeichneter, heute aber verlorener Schlussstein im Nordflügel, s. hierzu Caspary, Kreuzgang, S. 14.  Zurück
  7. Caspary, Kreuzgang, S. 14.  Zurück
  8. Datum nach Mathy, St. Stephan, S. 37.  Zurück
  9. Coester, Baugeschichte, S. 410.  Zurück
  10. Coester, Baugeschichte, S. 410.  Zurück
  11. Glatz, Ausstattung, S. 466.  Zurück
  12. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 9.  Zurück
  13. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 10.  Zurück
  14. Kirsch, Kleine Geschichte von St. Stephan, S. 52f.; mit Blick auf die Ereignisse und Baumaßnahmen von 1857-1859 s. auch Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 10-12.  Zurück
  15. Vgl. hierzu Glatz, Ausstattung, S. 469f.  Zurück
  16. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 12; Glatz, Ausstattung, S. 474.  Zurück
  17. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 12f.  Zurück
  18. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 13.  Zurück
  19. Klein, Kirche St. Stephan in Mainz, S. 14, 19 u. 31.  Zurück
  20. [19] Zurück
  21. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenbericht, S. 60f., s. a. Coester sowie Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 389.  Zurück
  22. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenbericht, S. 61.  Zurück
  23. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 61f.  Zurück
  24. Coester, Baugeschichte, S. 478; Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 389.  Zurück
  25. Vgl. Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 390-392. Zurück
  26. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 62.  Zurück
  27. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 62. Zurück
  28. Dumont, Rettung des Stephansturmes, S. 1171; Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 63; Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 389-393.  Zurück
  29. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 63.  Zurück
  30. Mathein, Kriegsschäden, ein Augenzeugenbericht, S. 63.  Zurück
  31. Vgl. hierzu Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 390f.  Zurück
  32. Vgl. Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 394-396; Caspary, Kreuzgang, S. 11f.  Zurück
  33. Angaben soweit nicht anders erwähnt auch im Folgenden nach Manfred Wittelsberger: Kurze Orgelgeschichte von St. Stephan Mainz, elektronische Ressource unter http://www.orgel-st-stephan.de/, => ‚Orgelgeschichte‘, letztmals abgerufen am 20.10.2012. Zurück
  34. Angaben nach Klein, St. Stephan, S. 32f.  Zurück
  35. Mayer, Aus Ruinen erstanden, S. 390.  Zurück